My London Adventure Part 3

 

Morgen fliege ich erneut für ein paar Tage nach London. Daher wird es nun höchste Zeit, dass ich endlich über meine letzten 2,5 Wochen Sommerurlaub in der schönsten Stadt der Welt berichte:

 

Meinen letzten Eintrag schrieb ich am 26. August, dem Tag der Beerdigung meiner Oma. Ich hatte es bisher nicht erwähnt, aber in meiner ersten Woche in London ist meine Oma verstorben. Sie hatte Krebs, aber bei meinem letzten Besuch bei ihr kurz vor meiner Reise wirkte sie so fit und munter. Dass sie gegangen ist, habe ich immer noch nicht ganz realisiert. Nachdem ich hin- und hergerissen war, ob ich nach Hause fliegen soll, bin ich dann doch geblieben und habe mich, so gut es ging, abgelenkt. Rückblickend erklären sich nun auch meine melancholischen Tage, die nicht nur dem Heimweh nach meinem Mann geschuldet waren. Am Tag ihrer Beerdigung habe ich vor allem eins gemacht: mich abgelenkt! Am Abend war ich mit meiner Freundin Jennifer zum Theater verabredet, wir trafen uns an der Waterloo Station, um etwas zu essen und anschließend zur Vorstellung im The Vaults Theatre zu laufen. Das Theater befindet sich unterhalb der Waterloo Station, der Zugang liegt etwas versteckt in einem Hinterhof, und das Stück nannte sich „The Collector“. Einige kennen vielleicht das gleichnamige Buch von John Fowles, auf dem das Stück basiert. Meine Freundin ist nur darauf aufmerksam geworden, weil Daniel Portman, ein schottischer Schauspieler aus Game of Thrones, mitspielte. Das Theaterstück war genial, die Atmosphäre geladen vor Spannung und das abschließende Treffen des Hauptdarstellers war ein krönender Abschluss (besonders sein schottischer Akzent *schnurr*). Anschließend sind wir am Southbank-Ufer entlang über die Westminster Bridge zur Westminster Station flaniert und haben die nächtliche Stimmung genossen.
London at Night
London at Night
Als ich dann gegen Mitternacht in meinem Bett lag, überkam mich die Trauer jedoch so stark, dass ich die Nacht kaum geschlafen haben und den nächsten Tag tatsächlich darüber nachgedacht habe, meine Zelte in London abzubrechen. Ich wollte nur raus aus der Stadt, weg von den ganzen Menschen, in die Natur. Im nördlichen London gibt es den Parkland Walk, der von Alexandra Palace bis zum Finsbury Park führt. Auf diesem Weg verstummen die Geräusche der Stadt, umgeben von der blühenden Natur kann man leicht vergessen, dass man sich inmitten einer Millionenstadt befindet! Sofort nach dem Aufstehen habe ich das Haus verlassen und den nördlichen Teil des Parkland Walk in Muswell Hill betreten. An diesem Samstagvormittag waren nur wenig Menschen unterwegs und ich konnte meinen Tränen freien Lauf lassen. Das tat so gut! Mit Kaffee bewaffnet saß ich auf einer Bank mit Blick über Crouch End, mich abwechselnd des Ausblicks erfreuend, dann wieder in Tränen ausbrechend. Die Natur ist bei Schmerzen der Seele einfach das beste Heilmittel! Als ich mich etwas beruhigt hatte, folgte ich dem Weg weiter, der mich bis nach Crouch End führen sollte. Da ich jedoch keinen Stadtplan dabeihatte, verlief ich mich (natürlich) und landete dann bei strahlendem Sonnenschein auf einer großen Lichtung, über der ein heftiger Regenschauer in genau dem Moment ausbrach, als ich es betrat^^ Dieser wusch meine Tränen ab und wundersamer Weise befand ich mich nach Überquerung der Lichtung in einem meiner Lieblingsviertel, in Crouch End, wieder. Etwas positiver gestimmt verbrachte ich den restlichen Samstag in einem Cafe und anschließend auf der Sommerterrasse des The Woodman, ein gemütlicher Pub gleich neben Highgate Wood.
Der folgende Montag war ein Feiertag, an diesem ging ich mit meiner Freundin Jennifer erneut den Parkland Walk, diesmal auch den richtigen Pfad^^, wir wanderten bis Crouch End an und liefen (natürlich) rein zufällig am Haus von James McAvoy vorbei. Denn man soll es nicht glauben, aber ich habe endlich jemanden getroffen, der genau so verrückt nach James ist wie ich <3 Anschließend stromerten wir durch einige der unzähligen Charity-Shops in Crouch End und Muswell Hill und ließen den Tag bei einem Essen beim Italiener ausklingen.
Peaky Blinders
Erfolgreiches Shoppen in Muswell Hill
Da ich nun nur noch zwei Wochen in London hatte, packte mich langsam die Angst, nicht alles erkunden zu können, was ich mir auf die Fahne geschrieben hatte. Also ging es am Dienstag auf Museumstour: erst das Hunterian-Museum (creepy, goggelt es mal!), anschließend ins British Museum (atemberaubend) und last, but not least in die British Library. Ab nächsten Tag begab ich mich dann abends auf eine kleine Jack the Ripper-Tour: bewaffnet mit Stadtplan, einem Buch über Kriminalschauplätze und in Begleitung einer Freundin folgte ich der Route, die mich zu allen Orten führte, an denen der Ripper unschuldige Prostituierte ermordete. Touristisch werden diese Morde ja ordentlich ausgeschlachtet (Achtung, Wortspiel…^^), es gibt ein (teures) Ripper-Museum, einen Pub mit allen möglichen Informationen um die Morde und die Identität des Mörders und natürlich geführte Ripper-Touren. Ich wollte jedoch kein Geld für eine Tour ausgeben, wenn ich Spitalfields und Whitechapel genauso gut auch selbst erkunden konnte. Da wir uns erst 20 Uhr auf den Weg begaben, wurde es mit der Zeit ziemlich dunkel und wir konnten gut nachvollziehen, wie sich die Menschen im Jahr 1888 auf den nächtlichen Straßen gefühlt haben. Etwas unheimlich war mir jedoch, als ich realisierte, dass am gleichen Tag unserer Tour, dem 31. August, im Jahr 1888 das erste Opfer von Jack the Ripper aufgefunden wurde …
Die nächsten Tage verbrachte ich mit Sightseeing, einem Flaneur gleich lief ich durch die unterschiedlichsten Viertel und Straßen Londons, trank Kaffee, schrieb wie verrückt und sammelte Fotos. In Muswell Hill, meinem liebsten Viertel neben Crouch End, entdeckte ich ein weiteres Café, das von da an mein neues Lieblingscafé wurde: The Crocodile Cafe. Freitagabend verbrachte ich mit meiner Freundin Iris beim Pub-Hopping, wir liefen von Pub zu Pub, aßen zwischendurch bei Herman ze German Currywurst und das wohl beste Eis der Stadt im La Gelateria.
The Crocodile Café
The Crocodile Café
An meinem vorletzten Samstag in der Stadt bekam ich Besuch von meiner Freundin Judy aus Dresden. Die gemeinsamen Tage verbrachten wir mit Vintage shoppen, Erkunden von Shoreditch und der Brick Lane und einem Besuch in Brighton. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Brighton mag oder nicht. Ganz in der Nähe des Brighton Pier (das eindeutig zu touristisch ist) befindet sich ein Wirrwarr aus kleinen, engen Gasse, die zum Shoppen und Verweilen einladen. Neben diesem schönen Teil der Stadt gibt es jedoch auch den Teil, der seine schönsten Zeiten hinter sich hat. Aber abgesehen davon war der Tag wunderbar: die frische salzige Meeresluft in der Nase, den Wind in den Haaren und das Kreischen der Möwen. Egal wo ich mich aufhalte, wenn ich das Meer höre, rieche und sehe, fühle ich mich schlagartig wohl. Das Meer umarmt mich wie meine kuscheligste Decke zuhause und ich fühle mich in seiner Nähe immer geborgen.
img_5294
Blödsinn in Shoreditch
Nun war auch schon die letzte Woche meines Urlaubs in London angebrochen. Mittlerweile verspürte ich kein Heimweh mehr, dafür machte sich langsam das Fernweh bemerkbar. Obwohl ich mich noch in der Stadt befand, plagte mich bereits die Angst, Abschied nehmen zu müssen, der Gedanke daran ließ mein Herz zittern. Ich traf meine neuen Freunde ein letztes Mal im Café oder im Kino, besuchte den Highgate Cemetery, schlenderte mit meiner Freundin Chrissie aus Irland über den Camden Market und aß frittiertes Snickers …
Meinen letzten Tag verbrachte ich mit meiner Freundin Iris in Hampstead, mit Kaffee liefen wir über Hampstead Heath und machten es uns auf einer Wiese im Sonnenschein gemütlich. Es schmerzt noch immer, wenn ich an diesen letzten Tag zurückdenke, er war nahezu perfekt und wäre wohl noch perfekter gewesen, hätte ich nicht Lebewohl sagen müssen. Abends saß ich in der Lobby meines Hostels allein über einem Cider, starrte aus dem Fenster auf die belebte nächtliche Euston Road und der Abschiedsschmerz fraß mich schier auf.
img_20160911_220015
My last Cider in London
Zurück in Deutschland war ich sehr traurig, ich fühlte mich wie auf einem falschen Planeten. Hin- und hergerissen zwischen zwei Welten verbrachte ich die erste Woche in der Heimat wie ein Schlafwandler. Meinen Mann begrüßte ich am Bahnhof mit den Worten „Ich will zurück“. Im Nachhinein tut mir das so leid, er war überglücklich, mich wieder in die Arme nehmen zu können und ich wollte nur noch weg. Die Deutschen nervten mich mit ihrer Meckerei, ihrem Egoismus, ihrer Engstirnigkeit. Nur langsam kam ich nach und nach wieder in Dresden an, aber selbst heute noch, zwei Monate nach meiner Rückkehr, gibt es Momente, in denen ich es hier kaum aushalte. Deswegen ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich morgen erneut nach London gehe. Zwar nur für fünf Tage und mit dem Flugzeug, aber bis zu meinem nächsten Urlaub in der Stadt nächstes Jahr im März (zusammen mit meinem Mann) konnte ich einfach nicht warten, zu groß war und ist die Sehnsucht. Und ihr könnt mir glauben: I’m excited as hell!

Comments

  1. Antworten

    Meine Sonne, du hast es so verdammt gut. Genieße die Zeit und nimm mich doch gedanklich ab und an mit.

    Kntuschi

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.