My London Adventure Part 1

Als ich beschlossen habe, für fünf Wochen nach London zu gehen, klangen fast alle Reaktionen so oder ähnlich: Cool, macht ihr da Urlaub? Was, du fährst allein?!? Was machst du dann die ganze Zeit dort? Hast du keine Angst, allein, in so einer großen Stadt?

 

Und als die Zeit reif war und ich in Dresden in meinen Nachtzug quer durch Deutschland stieg, zweifelte ich kurz selbst an meiner Courage. Nach 17h im Zug kam ich völlig erschöpft in London an und war im ersten Moment völlig überfordert. Oystercard besorgen, richtigen Zug zu meiner WG finden, fix noch etwas zu essen organisieren. Und dabei wollte ich nur noch eins: endlich schlafen.

Mein Start in London verlief etwas schleppend. Montag und Dienstag versuchte ich, warm zu werden mit dem Rhythmus dieser Stadt, die so schnell atmet, dass ich kaum hinterher komme. Ich hatte nicht wirklich Heimweh, aber ich fühlte mich unwohl; ich tat mich schwer mit der englischen Sprache und war sehr frustriert. Die ersten Tage verbrachte ich mit dem typischen Touristenkram: New Oxford Street, Museum of London (dort war ich eigentlich nur wegen der kleinen Ausstellung zu denn Suffragetten), the City of London, Victoria & Albert Museum (wunder-, wunder-, wunderschön!) …

Diese Stadt überforderte mich. Ich sprach kaum Englisch, außer ein wenig abends mit meinen Mitbewohnern. Ich staunte über die Architektur und hatte doch niemanden, mit dem ich diese Faszination teilen konnte. Jeden Abend war ich frustriert und einsam, so konnte und durfte es nicht weitergehen.

Also meldete ich mich auf Meetup an, einem sozialen Netzwerk, in dem sich Gleichgesinnte in London treffen können. Es gibt Gruppen zu allen möglichen Interessen. Ich bin nun in ein paar Englischkursen, um meine Kenntnisse zu verbessern und Fehler auszumerzen, zudem besuchte ich eine Speaking Class, da ich so viel  wie möglich sprechen muss und möchte.

Vergangenen Donnerstag war ich zunächst in einem kostenlosen Pronunciation-Kurs in einer Bar in der Nähe der Baker Street. Well, es war sehr lustig und ich habe einiges Neues gelernt, aber der Tutor war mir einfach etwas zu durchgeknallt 😛 Trotzdem hat mir dieser Kurs mehr Selbstvertrauen gegeben, da ich wirklich 2h nur Englisch geredet habe. Anschließend bin ich zum Old Spitalfields Market gefahren, wo donnerstags immer Vintage-Flohmarkt ist. Leider war es schon recht spät und einige Stände daher schon abgebaut, aber ich habe trotzdem etwas Tolles gefunden: einen blauen Parker-Kolbenfüller von 1964/65! Und da so ein Füller Tinte braucht, bin ich danach nach Covent Garden gefahren, ins London Graphic Centre. Dort gibt es alles Mögliche an Künstlerbedarf und da ich eh noch Aquarellfarben kaufen wollte, konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Back at home habe ich den Füller gereinigt, befüllt et voilá: er schreibt wunderbar! Ich bin verliebt in dieses neue Schreibgerät <3 Wenn ihr Vintage mögt, lasst euch donnerstags den Old Spitalfields Market nicht entgehen. Dort gibt es alles, von Kleidung über Schmuck hinzu Möbeln und Gemälden.

Den Freitag habe ich (aus Gründen) den ganzen Tag zuhause verbracht, habe im Garten in der Sonne gelesen und mit Rufus auf dem Sofa geschmust. Wenn man jeden Tag in den Trubel dieser Stadt eintaucht, muss man einfach mal einen Tag blau machen und Luft holen. Ich hatte Heimweh, war traurig und habe diesen Ruhetag wirklich gebraucht.

 

Rufus <3
Rufus <3

 

Endlich war der Samstag da, auf den ich mich riesig gefreut habe, denn endlich sollte ich meine frühere Brieffreundin Iris wiedertreffen <3 Wir haben uns das letzte Mal vor ca. 8 Jahren in München gesehen. Bevor ich mich jedoch auf den Weg ins Pub in Hampstead gemacht habe, bin ich mit dem Bus nach Crouch End gefahren, um den Samstagnachmittag ganz entspannt zu genießen.

Crouch End ist bei Touristen weniger bekannt und daher auch kaum von diesen frequentiert. Die Ruhe dort war wunderbar! Erst bin ich durch die Seitenstraße gewandert, habe Fotos gemacht und die Stille genossen. Anschließend bin ich zurück zum Crouch End Broadway, wo ich mich in einem Café niederließ und etwas gelesen habe. Ein ruhiger Rückzugsort ist in dieser Stadt Gold wert und ich bin gespannt, wo ich noch mehr davon entdecken werde. Gegen 16 Uhr bin ich dann in den Bus nach Hampstead gestiegen und zum „The Stag“ gefahren, ein bekannter Pub, der auch gern mal von Benedict Cumberbatch besucht wird 😉 Wir haben Ale getrunken, Fish & Chips gegessen und geredet, geredet, geredet. Es war wunderbar und entspannt und gemütlich. Und ich weiß jetzt, dass man den Kellnern „I’m good“ antwortet, wenn diese nachfragen und man keine Wünsche hat 🙂

So langsam wurde es schließlich dunkel und Iris beschloss, mir den ihrer Meinung nach schönsten Teil dieser Stadt zu zeigen. Und sie hatte so Recht damit: der alte Dorfkern von Hampstead ist wunderschön, und nachts nochmal doppelt so sehr. Vorbei am Haus von John Keats, durch die schmalen Gassen und von Gaslaternen beleuchteten Straßen. In „The Wells Tavern“ kehrten wir noch auf einen Absacker ein, bevor sich jeder auf seinen Weg nach Hause begab. Ich werde auf jeden Fall in den nächsten Wochen noch öfter in Hampstead sein, sowohl bei Tag als auch bei Nacht und dieses Flair in mich aufsaugen.

Schließlich war es Sonntag und meine erste Woche in London fand langsam ihren Abschluss. Über Facebook hatte ich nach Leuten gesucht, die Lust auf einen Kaffee mit mir hatten und so habe ich Jennifer kennengerlernt. Wir trafen uns am Nachmittag gleich bei mir hier um die Ecke in einem kleinen und supergemütlichen Café: im Emporium Tea Room. Was soll ich sagen, wir verstanden uns auf Anhieb und redeten drei Stunden ununterbrochen. Es passiert aber auch nicht oft, dass ich jemanden treffe, der meinen Lieblingsschauspieler kennt und mag und auch alle Filme von diesem gesehen hat. Genug Gesprächsstoff hatten wir auf jeden Fall …

Meinen restlichen Sonntag habe ich dann sehr gemütlich ausklingen lassen und mit meinem Ehemann geskypt (den ich sehr vermisse), da ich am Montagmorgen ziemlich zeitig aus dem Haus musste. Aber mehr dazu in meinem nächsten Eintrag …

Nützliche Informationen

Ohne soziale Kontakte frisst einen diese Stadt auf. Ich bin gern allein, aber allein in einer Millionenstadt wie London ist etwas anders als allein zuhause gemütlich in den eigenen vier Wänden, wo man sich wohl fühlt.

    • Wenn du an der Bushaltestelle stehst, egal wo, denke unbedingt daran, dem Fahrer ein Zeichen zu geben, dass du mit willst. Ansonsten fährt er an dir vorbei!

Wer mich kennt, weiß, dass ich Männer in blauen Anzügen liebe. Wieso quält mich also diese Stadt so sehr, indem gerade alle Männer in der Londoner City blaue Anzüge tragen? Und die sehen fast ausnahmslos alle so gut aus … (Sorry Schatz)

Seit ich hier bin, hat es noch nicht einmal geregnet. Im Gegenteil, hier in London ist es wärmer als zuhause in Dresden. Leider mag ich den Sommer nicht wirklich und hatte auf etwas Regen gehofft, aber who knows. Ich bin ja noch eine Weile hier 😉

Ich liebe das Londoner Verkehrsnetz. Ich wohne ziemlich weit im Norden und muss erst ein Stück mit dem Bus fahren, um die nächste U-Bahn zu erreichen. Alle zwei-drei Minuten kommt ein Bus, sogar nachts wartet man nicht länger als 10 Minuten. Daran könnte ich mich gewöhnen!

 

 

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