Frank Goldammer – Nebelgeflüster

„„Sie es dir erstmal an! Als ich es das erste Mal gesehen habe, war ich auch geschockt, aber das Ding hat Potential!“                                                                                                                                             

„Vielleicht zu einem Stall!“, flüsterte Judy, doch Sören war schon ausgestiegen. Judy stieg auch aus und zögerte. Sie hatte eine Gänsehaut, obwohl es gerade Anfang August und fünfundzwanzig Grad im Schatten waren. Plötzlich kam es ihr vor, als ob sie jemand beobachtete. Schnell drehte sie sich um, doch da standen nur die beiden Apfelbäume, die Hauptäste lustlos in die Luft gestreckt wie zwei alte, müde Soldaten, die gerade in Kriegsgefangenschaft geraten waren.“ (S. 21) 

Bereits bei ihrem ersten Besuch spürt Judy das Böse, das von dem Haus ausgeht. Und dann dieser faulige Gestank, der sie nach Atem ringen lässt und den nur sie zu bemerken scheint. Auf keinen Fall wird sie in dieses Haus einziehen. Doch ihr Freund Sören entscheidet, mal wieder, über ihren Kopf hinweg und kauft die alte, vom Hochwasser gekennzeichnete und stark sanierungsbedürftige Villa im Dresdner Stadtteil Laubegast. Zu allem Überfluss verreist Sören aus beruflichen Gründen und lässt die nun auch noch schwangere Judy allein mit den Restaurierungsarbeiten und den unzähligen Handwerkern, die ihre Arbeit bezahlt haben möchten. Dazu kommen der immer wiederkehrende Gestank und das nächtliche Babygeschrei, dass sie in den Wahnsinn treibt. Und welche Rolle spielt die uralte Weide im Garten und wer sind diese alten Leute, die Judy von dem Grundstück verjagen wollen?   

Frank Goldammer hat mit „Nebelgeflüster“ ein wahrhaft modernes Märchen geschrieben. Beim Lesen lief mir so mancher kalter Schauer über den Rücken und einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Dem Autor ist es gelungen, eine unglaublich beängstigende Atmosphäre zu erzeugen, die auch dann nicht an Spannung verliert, wenn sich die Handlung in utopischere Gefilde verlagert. Der Schreibstil ist locker, bildhaft und fesselnd und schafft es perfekt, die unheimliche Szenerie vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen.  

Die Hauptprotagonistin Judith, von allen nur Judy genannt, hat es geschafft, dass ich mir oft vor Wut die Haare gerauft habe. Ihre Beziehung zu ihrem Freund Sören, ihre Naivität und ihre Unterwürfigkeit haben mir manches genervte Aufstöhnen entlockt. Innerhalb der Geschichte verändert sich Judy sehr stark, meiner Meinung zum Negativen hin und ich konnte manche ihrer Handlungen nur schwer nachvollziehen.  Mehr als unsympathisch ist zudem ihr Freund Sören, ein selbstverliebter und oberflächlicher Architekt, der nur an sich selbst denkt und im Schatten seiner Mutter steht.  

Zum Schluss hin wurde die Handlung leider leicht unglaubwürdig und rutschte zu sehr ins Utopische ab, was meine Lesebegeisterung etwas bremste. Die märchenhafte, gruselige Atmosphäre verwandelte sich in ein Horrorszenario und war einfach zu viel des Guten. Trotzdem, und trotz fehlender Sympathie mit den Protagonisten, ist dieses Buch eines der besten und gruseligsten, das ich seit langem gelesen habe. 

Schnappt euch an einem windigen Regentag eine große Tasse Tee, verzieht euch mit „Nebelgeflüster“ unter eine kuschelige Decke und taucht ab in eine Märchenwelt, die euch Gänsehaut auf die Arme treibt!

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Comments

  1. Antworten

    hallo,am liebsten würde ich gleich weiterlesen, mehr erfahren wollen?! dass schöne für mich ist auch, dass das buch/blatt rechts ausgerichtet ist. so ist es für mich angenehmer zu lesen, da ich linkshänderin bin?.

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