Lucinda Riley – Der Engelsbaum

Die Bücher „Das Orchideenhaus“ und „Das Mädchen auf den Klippen“ von Lucinda Riley haben mich total begeistert und ich empfehle diese uneingeschränkt weiter, ihr Werk „Der Engelsbaum“ dagegen konnte mich nicht überzeugen.

Der Roman spielt vorwiegend in der Nachkriegszeit in England und Wales. Greta Marchmont ist 58 Jahre alt und leidet seit einem tragischen Unfall vor 23 Jahren an Amnesie. Ihre Familie nimmt sie an Weihnachten 1985 mit auf das Anwesen Marchmont Hall in Wales, in der Hoffnung, dass dieses ihre Erinnerungen weckt. Und wirklich, als Greta bei einem Spaziergang im Wald ein Grab entdeckt, dass ihrem Sohn Jonny gehört, beginnen sich die Schleier über ihren Erinnerungen langsam zu lüften…

 

Chronologisch erfährt der Leser von Gretas Vergangenheit, angefangen in London im Jahr 1945, wo Greta als Achtzehnjährige versucht, sich als Tänzerin über Wasser zu halten, bis zur Geburt ihrer beiden Kinder Jonny und Cheska. Ab dem Jahr 1962 verlegt sich der Schwerpunkt auf die Geschichte ihrer Tochter Cheska, die nur als tragisch bezeichnet werden kann. Cheskas Tochter und somit Gretas Enkelin Ava ist der dritte Teil des Buches gewidmet, in dem die letzten Fäden des Familiendramas zusammenlaufen. Zwischendurch gibt es kurze Einblicke in die Gegenwart, in der Greta versucht, ihre wiederkehrenden Erinnerungen zu verarbeiten. Das Buch umfasst somit die Lebens- und Leidensgeschichte dreier Generationen einer Familie.

Obwohl es mitunter spannende Stellen gab, die mich davon überzeugten, doch weiterzulesen, las sich der Großteil des Werkes einfach nur zäh. Meiner Meinung nach gab es zu viele Längen und zu viele belanglose, an der Oberfläche bleibende Dialoge. Auch die Charaktere erschienen sehr farblos und ohne Tiefe. Anfängliche Sympathien für Greta verschwanden schnell. Auch David, ein guter Freund von ihr und heimlich in sie verliebt, nervte recht bald mit seiner naiven Art, ihr bei allem zur Hilfe zu eilen und nie von ihrer Seite zu weichen. Die Geschichte war an manchen Stellen einfach zu oberflächlich und dadurch unglaubwürdig. Mehrmals habe ich mich dabei erwischt, wie meine Augen zu schnell über die Zeilen huschten, um endlich umblättern zu können.

Zudem ist mir eine Ungereimtheit aufgefallen, die bei einem gewissenhaften Lektorat nicht auftauchen sollte: Auf S. 451 feiert Ava ihren 18. Geburtstag, wenige Seiten später wird sie zweimal als Siebzehnjährige bezeichnet. Das kann vorkommen, sollte es aber nicht.

Fazit

Geschrieben hat Lucinda Riley „Der Engelsbaum“ bereits 1995 und das merkt man auch. Gerade im Vergleich zu ihren jüngeren Werken wird deutlich, dass sie dieses in der Anfangszeit ihrer schriftstellerischen Karriere verfasst hat und auch die Überarbeitung keine Verbesserung erzielt hat. Menschen entwickeln sich weiter und verbessern sich, Lucinda Riley hat das definitiv getan. Ihre neuesten Bücher lege ich euch deswegen wärmstens ans Herz.

Das Werk hat auf vielen Portalen und Blogs aber auch sehr viele positive Beurteilungen bekommen, lasst euch deswegen nicht von meiner verschrecken. Ich bin gespannt auf eure Leseeindrücke zu dem Buch!

Comments

  1. Antworten

    Eine sehr schöne und ehrliche Rezension.
    „Das Mädchen auf den Klippen“ kenne ich auch, war begeistert und kann somit ebenfalls bestätigen, dass Lucinda Riley dennoch eine sehr begabte Schriftstellerin ist.

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