Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr

Ich bin immer noch ganz sprachlos und weiß gar nicht so richtig, womit ich anfangen soll. Dieses Buch ist eines der schönsten, das ich seit Jahren gelesen habe!

Normalerweise mache ich um  solche Bücher immer einen großen Bogen, aber in diesem Fall bin ich einfach nur glücklich, dass ich mich doch für diese Lektüre entschieden habe (vielen Dank an Bini von Literatwo, ohne die ich dieses Buch wohl nicht gekauft hätte).

Die Geschichte spielt in einer kleinen Stadt in Großbritannien. Louisa ist 26, wohnt noch bei ihren Eltern, arbeitet in einem kleinen Café und hat ihr Städtchen bisher noch nie verlassen müssen. Seit Jahren hat sie den gleichen Freund, Patrick, den sie eigentlich nicht wirklich liebt, aber der ihr nie den Anlass gegeben hat, diese Beziehung zu überdenken.

Will ist Mitte 30, er war beruflich sehr erfolgreich und stand mit beiden Beinen fest im Leben, als er bei einem Verkehrsunfall so schwer an der Wirbelsäule verletzt wurde, dass er fortan an den Rollstuhl gefesselt und auf 24h-Betreuung angewiesen ist, ohne Chance auf Heilung

Zwei Jahre später verliert Louisa ihre Anstellung in dem Café und da sie dringend Geld benötigt, nimmt sie sofort die Stelle als Betreuerin von Will an, obwohl sie in der Pflege eines Tetraplegikers überhaupt keine Erfahrung besitzt. Anfangs hasst sie es für ihn zu arbeiten, Will ist mürrisch und arrogant, doch mit der Zeit nähern sich die beiden an und werden Freunde. Louisa fragt sich allerdings, wieso sie nur für sechs Monate eingestellt wird. Als sie den Grund dafür erfährt, steht ihr Leben von einem auf den anderen Tag auf dem Kopf…

Ich liebe den Charakter von Lou, sie ist unkonventionell, etwas naiv und sehr natürlich, was sie mir von Anfang an sympathisch machte. Beim Lesen hatte ich immerzu Jess von „New Girl“ vor Augen, nicht so sehr vom Aussehen, eher vom Auftreten her. Und ich liebe „New Girl“ 😉 Ich konnte mich sehr gut mit Lou identifizieren, aber auch die anderen Figuren wie Will, Treena (Louisas Schwester) oder Mrs. Traynor (Wills Mutter) sind sehr authentisch. Die Beziehung zwischen Lou und Will hat mich komplett in ihren Bann gezogen und auch wenn meine Nase gerade nicht in dem Buch steckte, war ich in Gedanken ununterbrochen bei den Beiden. Dazu sollte ich erwähnen, dass es sich bei diesem Roman um keine reine Liebesgeschichte handelt. Vielmehr geht es um das heikle Thema, ob ein Mensch, der für den Rest seines Lebens kaum bewegungsfähig in den Rollstuhl gefesselt ist, darüber entscheiden kann, ob er weiterleben möchte oder das Recht auf einen selbstbestimmten Tod hat und wie schwer dies für die Angehörigen ist.

Jojo Moyes hat mich mit „Ein ganzes halbes Jahr“ eine Gefühlsachterbahn fahren lassen, sie hat mich zum Lachen gebracht und bereits im nächsten Moment hatte ich Tränen in den Augen. Die Geschichte ist so berührend, emotional, amüsant, traurig, authentisch und raubt einem schlicht den Atem. Als das Buch dem Ende entgegen ging, wurde der Druck auf meinem Herz stetig größer und immer wieder musste ich innehalten und kurz durchatmen. Ich hatte unglaubliche Angst davor, wie die Geschichte von Lou und Will ausgehen könnte und mit jeder Seite fiel es mir schwerer umzublättern. Am Ende saß ich mit tränennassem Gesicht vor diesem Buch und war zutiefst berührt und traurig und glücklich zugleich.

Es ist bemerkenswert, wie sensibel Jojo Moyes die Themen Tetraplegie und Sterbehilfe verarbeitet. Sie zeigt dem Leser diese körperliche Behinderung nicht nur aus Sicht der Angehörigen, sondern besonders aus Sicht eines Betroffenen selbst. Am Ende gelang es mir sogar, so etwas wie Verständnis für Wills Entscheidung aufzubringen, obwohl ich anfangs so wütend auf ihn war für das, was er Louisa und seinen Eltern damit angetan hat. Die Autorin regt mit ihrem Werk auch zum Nachdenken über das eigene Leben an. Lebe ich mein Leben in vollen Zügen und bin ich glücklich bei dem, was ich tue? Will ich so leben, wie es mir vielleicht durch äußere Umstände aufgezwungen wird? Oder habe ich den Mut, mein eigenes Leben in die Hand zu nehmen?

Fazit

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist ein Buch, das Herzen berührt und garantiert kein Auge trocken lässt. Es ist so mitreißend geschrieben, dass es mir schwer fällt, nicht noch einmal von vorn zu beginnen, um noch einmal Zeit mit Will und Lou verbringen zu können. Dieses Buch kann man einfach nur lieben!

Eine klare Leseempfehlung von mir!

PS: Letztens habe ich gelesen, dass im Dezember ein neues Buch der Autorin erscheint, ich bin jetzt schon sehr gespannt und hoffe, dass auch ihr neues Werk so besonders wird wie dieses hier!

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