Kai Meyer – Asche und Phönix

Ash und Parker könnten nicht unterschiedlicher sein: Er ist ein gefeierter Filmstar, dessen dritter Film mit ihm in der Rolle des Phoenix
Hawthorne gerade Premiere feiert und sie eine Heimatlose, die sich in London mit Diebstählen und Aushilfsjobs über Wasser hält und so durchs Leben boxt. Geradeals sich Ash in Parkers Hotelzimmer um sein Bargeld bereichert, treffen die beiden aufeinander.  Parker, der gerade von einer Pressekonferenz geflüchtet ist, sieht in Ash seine Chance, seiner aufdringlichen Assistentin zu entkommen und so bittet er sie um Hilfe anstatt sie bei der Polizei zu verpfeifen. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Flucht, die sie von London über Lyon bis zur Côte d’Azur führt, nichtsahnend, dass der Teufel bereits jeden ihrer Schritte verfolgt…

 

 

 

„Asche und Phönix“ ist ein weiteres gelungenes Werk von Kai Meyer in einem wundervollen, ihm eigenen Schreibstil, der einen von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln vermag. Von Anfang an wird der Leser in einen Strudel aus Ereignissen gezogen, in dem er die Flucht der beiden Protagonisten „live“ verfolgen kann. Ohne große Vorreden befindet man sich sofort mitten im Geschehen, das anfangs nichts Phantastisches erahnen lässt. Doch mit den Auftritten von Chimena, Parkers Assistentin, und Guignol, dem Handlanger von Libatique, wird man schnell eines Besseren belehrt. Mehr möchte ich aber über den Inhalt auch nicht verraten. Ich möchte niemandem, der dieses Buch noch nicht gelesen hat, die Spannung verderben.

Gut finde ich, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven geschrieben ist, der Leser verfolgt das Handlungsgeschehen abwechselnd aus der Sicht von Parker und Ash sowie in kursiv geschriebenen Kapiteln aus der Sicht von Libatique. Die einzelnen Kapitel sind recht knapp gehalten und schließen mit einem  Spannungsanstieg ab, so dass man quasi gezwungen ist, weiterzulesen. Dieser Spannungsbogen hält sich durchgehend bis zum Finale und sorgt beim Leser für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Phantasie und Wirklichkeit werden dabei so gut vermischt, dass die Handlung sehr glaubhaft ist.

Allerdings muss ich auch einige Kritikpunkte anbringen. Denn so gut wie die Geschichte anfängt, so schnell ist sie auch schon wieder vorbei. Dass das Buch gut ist steht außer Frage, mit einer bewegenden Handlung und tollen Charakteren fesselt es den Leser ab der ersten Seite. Doch dabei wird dem Leser kaum die Chance geboten, sich in die Protagonisten einzufühlen. Sie haben meiner Meinung nach zu wenig Tiefgang und zu schnell spult die Handlung ab, bis zum Höhepunkt der Geschichte, der bereits einige Seiten vorher absehbar ist. Ich bin weder mit Ash noch mit Parker richtig „warm“ geworden, am besten gefiel mir Lucien, obwohl er nicht großartig in die Handlung mit einbezogen wurde. Auch die Liebesgeschichte zwischen Ash und Parker finde ich zu sehr in den Hintergrund gedrängt, sie kommt gar nicht richtig zur Geltung. Parker benutzt Ash anfangs lediglich, um seiner Assistentin entkommen zu können und unterwegs verlieben sich dann beide ineinander. Dies war absolut vorhersehbar, doch ist diese Entwicklung nicht annähernd so bezaubernd wie in der Arkadien-Trilogie zwischen Rosa und Alessandro oder wie bei Aura und Gillian aus der Alchimistin-Reihe.

Die Idee, die hinter diesem Buch steckt, ist genial und bietet mehr Raum, als Kai Meyer seinen Charakteren eingeräumt hat und ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte mehr ausgebaut worden wäre. Leider hat er ja mehrfach geäußert, dass es zu diesem Buch keine Fortsetzung geben wird.

Ich möchte auch anmerken, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist, sehr detailreich werden Gewaltszenen geschildert, die mir den Atem stocken ließen und stellenweise Ekel hervorriefen. Amazon empfiehlt das Buch für Leser ab 14, was ich als etwas zu jung empfinde angesichts dieser doch ziemlich brutalen Szenen.

Fazit

Kai Meyer hat in seinem neuesten Buch wieder einmal bewiesen, dass er ein wahrer Meister der Phantastik ist, auch wenn „Asche und Phönix“ nicht ganz an andere Werke von ihm heranreicht. Das Buch ist sehr gut geschrieben, aber ich glaube, ich hatte mir einfach mehr davon erhofft. Bisher hat mich jedes seiner Bücher verzaubert, nur dieses Mal ist der Funke nicht zu 100% übergesprungen. Trotz der spannenden und glaubhaften Handlung fehlt mir einfach das gewisse „Etwas“. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir irgendwann vielleicht doch noch mehr von Ash und Parker zu lesenbekommen.

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